Fachkräfte für die Embedded-Branche begeistern, gewinnen und halten
14.02.2023 Next generation Interview embedded world

Fachkräfte für die Embedded-Branche begeistern, gewinnen und halten

Wie begeistert man junge Menschen für eine Branche, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat? Magdalena Daxenberger hat einige spannende Antworten darauf. Neben ihrer Aufgabe als Marketing & Innovation Manager bei DH electronics hat sie ihr eigenes Start-up gegründet und engagiert sich im Fachbeirat der embedded world Exhibition&Conference. Genau die richtige Ansprechpartnerin also, um über die Next Generation der Embedded-Community zu sprechen.

Magdalena Daxenberger Magdalena Daxenberger ist Marketing- und Innovationsmangerin, hat ein Start-up gegründet und ist Fachbeirätin der embedded world

So wird die Embedded-Branche für junge Talente interessant


Junge Talente für Embedded Systems begeistern


Du hast in einem dualen Studium Elektrotechnik studiert und bist jetzt bei DH electronics u.a. für Innovationsmanagement verantwortlich. Was begeistert dich an der Embedded-Branche?

Magdalena Daxenberger: Mich begeistern vor allem die vielfältigen Anwendungsbereiche von Embedded Systemen und das enorme Potenzial in Sachen Nachhaltigkeit. Ob im klassischen Maschinen- und Anlagenbau, der Gebäude- und Industrieautomatisierung oder in eMobility und Healthcare: mithilfe smarter Embedded Lösungen lässt sich an vielen Stellen Energie einsparen und es eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten wie z.B. Elektromobilität.

Außerdem ist die Embedded-Branche sehr schnelllebig und es kommen immer neue Technologien, Produkte und Services auf den Markt. Als Innovationsmanagerin empfinde ich es als herausfordernd und spannend zu gleich, Trends frühzeitig zu erkennen und aufzugreifen.

 

Was ist aus deiner Sicht nötig, um junge Menschen für die Embedded-Branche zu begeistern? Es gibt ja viele andere Branchen, die ebenfalls um die besten Studierenden und Azubis werben.  

Daxenberger: In den MINT-Fächern haben wir in Deutschland ja grundsätzlich Nachholbedarf, was unterschiedliche strukturelle und gesellschaftliche Gründe hat. Ich denke, dass es der Embedded-Branche noch immer an Sichtbarkeit und Vorbildern fehlt. Die Berufsbilder sind für viele schwer greifbar.

Es könnte also helfen, den Alltag von Embedded-Entwickler:innen, Produktverantwortlichen, Projektmanager:innen usw. nahbar darzustellen. Schon während der Schule, aber auch parallel zu Ausbildung und Studium halte ich Praktika in Unternehmen für sehr sinnvoll, um Nachwuchstalenten schon früh Jobs in der Embedded-Branche näher zu bringen.

Zudem sollten wir nicht vergessen, dass nicht jede/-r Elektrotechnik oder Informatik studieren muss, um in der Embedded-Branche Fuß zu fassen. Auch in den Bereichen Data Science, Marketing, Innovation und HR sind Talente mit technischem Interesse gefragt. Grundsätzlich gilt es in jeder Branche, die Wünsche und Bedürfnisse der jungen Menschen zu erkennen und darauf einzugehen. Heute legen viele Wert auf einen Arbeitgeber mit Engagement für Nachhaltigkeit und Diversität, einer klaren Vision sowie einem flexiblen Arbeitszeitmodell.

 

Start-up-Gründerin


Hier kommt dein Start-up InnovateTheAlps by Alpioneers ins Spiel. Kannst du uns über diesen Hackathon und die Idee dahinter etwas mehr erzählen?

Daxenberger: Gerade der Generation Z liegt das Thema soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sehr am Herzen und das erwarten sie auch von ihrem Arbeitgeber. Mit InnovateTheAlps by Alpioneers organisiere ich Events, um Studierende und Young Professionals mit Unternehmen aus dem Alpenraum zusammenzubringen, die sich gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit einsetzen.

Beim Hackathon erarbeiten divers besetzte Teams ein Wochenende lang Lösungsvorschläge für die Nachhaltigkeits-Challenges der Unternehmen und stellen diese beim abschließenden Pitch-Wettbewerb vor. So können sie ihr theoretisches Wissen sinnstiftend einbringen, sich mit anderen vernetzen, die Unternehmen und deren Tätigkeitsbereich kennenlernen und zugleich Kontakte für den Berufseinstieg knüpfen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

 
Welche Erfahrungen hast du als Start-up-Gründerin gemacht? Hast du ein paar Tipps parat?

Daxenberger:
InnovateTheAlps ist aus einer Leidenschaft für Unternehmertum, Innovation und den Alpenraum entstanden. Ich möchte damit einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und die Sichtbarkeit von Unternehmen, die sich dafür einsetzen, leisten. Als Innovationsmanagerin bin ich mir der Bedeutung von divers besetzten Teams für Kreativität und Innovation bewusst und lade deshalb Studierende und Unternehmen aus verschiedenen Branchen ein. Das sorgt für kreative Ideen, viele Diskussionen und eine wahnsinnig inspirierende Stimmung.

Grundsätzlich würde ich jedem raten, sich nach dem Motto „Start with why“ ein Herzensthema zu suchen, für das man wirklich brennt. Dann würde ich empfehlen einfach mal loszulegen, Erfahrung zu sammeln, auch Fehler zu machen und so die Geschäftsidee immer weiterzuentwickeln.

Auch die Wahl von Co-Founder:innen und Kooperationspartner:innen sollte gut überlegt sein.

Zuletzt würde ich gern alle, die mit dem Gedanken spielen zu gründen, motivieren es einfach auszuprobieren. Jede Idee, die tatsächlich umgesetzt wird und eben nicht nur eine Idee bleibt, kann unsere Welt ein Stück besser machen. Zudem ist die Lernkurve bei einer Gründung sehr steil und man lernt vieles fürs Leben.


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Fachkräfte in der Embedded-Branche halten


Wir haben schon darüber gesprochen, wie man Nachwuchskräfte neugierig macht und begeistert. Was braucht es, um die (jungen) Fachkräfte im Unternehmen zu halten?


Daxenberger: In meinen Augen ist es essentiell, die Bedürfnisse des eigenen Teams zu erkennen und bestmöglich zu erfüllen. Was erstmal simpel klingt ist in der Realität oftmals nicht einfach, denn jeder Mensch hat eben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Da es also keine Lösung gibt, die zu 100% für alle Mitarbeitenden passt liegt der Schlüssel zur Zufriedenheit sicher in der Flexibilität.  

Damit meine ich zum einen, dass Arbeitszeitmodell (Teilzeit-/Vollzeit, Gleitzeit, Jobsharing, Sabbatical) und Arbeitsort (Homeoffice, Work-from-anywhere) möglichst flexibel gestaltbar sein sollten. Gerade Eltern profitieren davon enorm und können Familie und Beruf so oft besser vereinbaren - das Homeoffice ist für viele inzwischen unabdingbar geworden. Vielleicht fällt es der Tech-Branche sogar etwas leichter, sich auf New Work einzustellen, da sie an stetigen Wandel gewöhnt ist.

Ebenfalls hilfreich ist es, möglichst vielfältige Entwicklungschancen zu bieten und Angebote für lebenslanges Lernen zu schaffen.

Eine klare Unternehmensvision kann dabei helfen, Mitarbeitende an das Unternehmen zu binden, um gemeinsam an der Erfüllung der Vision zu arbeiten. Viele junge Talente erwarten von Unternehmen den Einsatz für Nachhaltigkeit, Diversität und Gleichberechtigung. Hier gilt es für Unternehmen nur dann „auf den Zug aufzuspringen“, wenn tatsächlich etwas unternommen wird. Greenwashing wird heute (zum Glück) schnell erkannt.

 

Networking-Event #women4ew und die Next Generation auf der embedded world


In deiner Rolle als Fachbeirätin der embedded world treibst du gerade das neue Format #women4ew voran. Wieso ist dir dieses Thema wichtig und was erhoffst du dir von dem Networking-Event?

Daxenberger: Ich freue mich tatsächlich schon sehr auf das neue Format #women4ew der embedded world 2023 mit dem wir Frauen in der Embedded-Branche vernetzen wollen. Mein persönliches Ziel als Fachbeirätin ist es, mich für mehr Diversität in der Embedded-Branche im Allgemeinen und eine gesteigerte Sichtbarkeit von #WomenInTech im Speziellen einzusetzen.

Für mich ist es ein Herzensthema gerade junge Mädchen und Frauen auf eine Branche aufmerksam zu machen, die leider die wenigsten während der Berufsorientierungsphase auf dem Zettel haben. Das mag zum einen an den veralteten Rollenbildern und Stereotypen in unserer Gesellschaft, einem Schulsystem, das technische Fächer wie Informatik oft maximal als Wahlfach anbietet und auch dem schlechten Ruf technischer Studienfächer liegen.

Zum anderen fehlen weibliche Vorbilder, die jungen Talenten vermitteln: „Die Embedded Welt ist spannend und auch du kannst deinen Platz darin finden.“ Das möchte ich ändern, nicht nur weil ich dann nicht mehr so oft die einzige Frau im Raum bin, sondern auch weil wir in divers besetzten Teams nachweislich innovativere Lösungen entwickeln und Unternehmen damit wirtschaftlich erfolgreicher sein können.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels können wir es uns ganz einfach nicht leisten, auf weibliche Talente zu verzichten. Ich hoffe, dass das besser früher als später auch in den Köpfen derer ankommt, die die Fachkompetenz von Frauen aufgrund ihres Geschlechts noch immer in Frage stellen.

Mit mehreren Expert Panels zum Thema Diversität und dem geplanten Netzwerkevent auf der #ew23 geht die Messe meiner Meinung nach deshalb einen ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung und ich freue mich, dabei zu unterstützen.

 
Mit dem Student Day, der Start-up Area und einem neuen Instagram-Kanal nimmt die embedded world die Next Generation in den Fokus. Wie wichtig sind diese Formate aus deiner Sicht für die Embedded-Community?


Daxenberger: Die Embedded-Branche anfassbar, erlebbar zu machen und reale Anwendungsfälle zu zeigen ist ein wichtiger Schritt, um mehr Talente für die Branche zu begeistern. Zudem bietet gerade der Student Day eine gute Möglichkeit für Studierende, sich einen Eindruck von den Produkten und Lösungen, aber auch der Berufsgruppen zu machen und Kontakte für den Berufseinstieg zu knüpfen.

Die Start-up Area ebnet jungen Unternehmen den Weg auf eine internationale Fachmesse. Davon profitieren nicht nur die Start-ups selbst, sondern auch etablierte Unternehmen, die sich austauschen und vom innovativen Start-up-Spirit inspirieren lassen können. Nicht selten schließen sich ja auch Start-ups und größere Unternehmen zusammen, um gemeinsam Synergien auszunutzen.

Die Begleitung der Messe über Social Media Kanäle ist für mich ein absolut logischer Schritt. Wer junge Talente ansprechen will, muss dort präsent sein wo sie sich (digital) aufhalten. Neben LinkedIn ist Instagram dafür sicher die erste Wahl, in den kommenden Jahren könnte auch TikTok relevant werden.